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2022-04-26

Der Global Food Summit auf der Fachtagung des Bundesverbandes Schwein und Rind in Berlin

"Agrarwende oder Agrarwandel" - unter diesem Motto stand die diesjährige Fachtagung des Bundesverbandes Schwein und Rind (BSR) in Berlin. 
Denn die Tierhaltung in Deutschland steht vor einem großen Umbruch. Der Krieg in der Ukraine hat einseits gezeigt, wie fragil unsere Nahrungsmittelketten sind, wir also in Europa gut daran tun uns nicht zu sehr von Importen abhängig zu machen. Andererseits müssen Jahr für Jahr Landwirte aufgeben, weil sie keine Planungssicherheit mehr haben und die Politik sich vor klaren Aussagen drückt. Die Ergebnisse der Borchert-Kommission, das wurde in der Fachtagung deutlich, sollen nicht vor 2030 umgesetzt werden, so die vertretenen Politiker. 

"Wachsen oder Weichen" sei ja das Motto der Tagung, sagte die neue Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Ophelia Nick in ihrem Vortrag vor den rund 200 Gästen. Sie selbst sei ja im Prinzip auch für Wachstum, aber ebenfalls für die notwendigen klimapolitischen Maßnahmen, damit die Landwirtschaft auch den Enkeln noch erhalten bleiben kann.

Mit einem leichten Lächeln wies dann Georg Guercke, der Vorsitzende des BSR bei seinem Dank an die Staatssekretärin darauf hin, dass sie da wohl was falsch verstanden haben: "Agrarwende oder Agrawandel" sei das offizielle Motto gewesen. Unbewußt habe sie da aber wohl den Kern der Sache getroffen, denn wenn, wie von der Politik diskutiert, die Umsetzung der Maßnahmen der Borchert-Kommission erst 2030 kämen, dann würden über 50 Prozent dieser Rinder- und Schweinehalter hier im Saal das finanziell wohl nicht überleben und weichen müssen.

Der Äger und die Verunsicherung der Landwirte auf der Fachtagung war entsprechend groß. Das mussten die Parlamentarier aller Fraktionen auf der Podiumsdiskussion erfahren. Es fehle an Planungssicherheit, es fehle an Wertschätzung, es fehle an flexiblen Strukturen und natürlich Geld. 

Die letzten Jahre lagen die Marktpreise bei Milch, aber auch bei Fleisch oft unter den Deckungskosten. Jetzt steigen zwar die Erzeugerpeise, allerdings komme das für viele Bauern zu spät. Außerdem haben sie den Glauben an eine Zunkunft in Deutschland verloren.

"Wenn nicht jetzt, wann dann, leiten wir die Agrarwende ein", fragte hingegen die junge Grüne Abgeordnete Zoe Mayer? Jetzt sei die Zeit die traditionelle Landwirtschaft und das Klima zu versöhnen und zu verbinden. Sie sprach sich außerdem für mehr Fleischverzicht und besserer Qualität der Fleischproduktion aus. 

Diese Kritik ließ Dr. Nora Hammer, Geschäftsführerin der BSR, nicht unwidersprochen. Sie sei diese Unterscheidung in "schlechtes oder gutes Fleisch leid", sagte sie. "Niemand in Deutschland produziere Fleisch in geringer Qualität. Alle hier im Saal produzieren gutes Fleisch." Jedes andere Fleisch würde es ja nicht mal in den Handel schaffen, sagte Dr. Nora Hammer.  

Stephan Becker-Sonnenschein, Head and Founder des Flobal Food Summit moderierte die Fachtagung.